Ist Erfolg programmierbar oder nur Schicksal?

Die Wettbewerbslage deutscher Fahrschulen.
Hier der Kommentar einer deutschen Großbank zur Fahrschulbranche:
„Es herrscht ein vergleichsweise harter Konkurrenzkampf in einem überbesetzten Markt, der vor allem über den Preis ausgetragen wird. Die Ertragslage ist insgesamt sehr schlecht. Der Anteil der Personalkosten an den Gesamtkosten ist sehr hoch und das Gewicht der Kosten für Anschaffung und Betrieb der Schulungsfahrzeuge steigt.
Eine nachhaltige Verbesserung der Ertragslage ist erst nach Abschluss des Ausleseprozesses und nach Anpassung der Ausbildungskapazitäten möglich.“

Soweit das Zitat dieses Kommentars!

Ein katastrophales Bild!

Ist die Fahrschule eine Geldvernichtungsmaschine oder eine Einrichtung für „arme Schlucker?“ Die Frage beantworte ich sowohl mit ja als auch mit nein.

Warum gibt es wohl erfolgreiche Fahrschulen und gleichzeitig viele Fahrschulen, die am Rande des Existenzminimums leben?
Sicher, es gibt eine große Zahl von Fahrschulen, die die Grundregeln der Finanzierung, der Buchhaltung, der Kostenrechnung und des Marketing nicht berücksichtigen und sich leichtsinnig ohne betriebswirtschaftliche Grundlagen in die Selbständigkeit gestürzt haben. Diesen ist zu raten, neu anzufangen und alles zu durchdenken.
Strategisches Handeln, das ist die Grundlage zum Erfolg! Folgt man der richtigen Strategie dann heißt das: Ich bündele meine Kräfte, ich konzentriere mich auf den wirkungsvollsten Punkt und ich wechsele von der Kampf zur Kooperationsstrategie.

Auch erfolgreiche Fahrlehrer kennen die theoretischen Grundlagen meist wenig und folgen einer Naturbegabung! Wenn man ihr Handeln beobachtet und analysiert, dann sieht man, wie sie handeln und wo das Rätsel des Erfolges liegt. Wir werden das erläutern und dabei helfen, die Zusammenhänge zu erkennen. Strategisch richtiges Handeln kann jeder entwickeln und bewusst erlernen. Das kann einerseits mit Arbeit verbunden sein und andererseits müssen meist eigene innere Widerstände überwunden werden und das ist zuweilen besonders schwierig.


Bündeln der eigenen Kräfte.

Jeder Bürger und damit auch jeder Fahrlehrer in Deutschland handelt im gleichen Wirtschaftsraum. Er steht den gleichen wirtschaftlichen und gesetzlichen Bedingungen gegenüber. Wirtschaftlicher Erfolg ist die Zielsetzung seines unternehmerischen Handelns.Was kann daher der Grund für einen Unterschied im wirtschaftlichen Erfolg sein?

Die Antwort ist so einfach wie logisch:
Wirtschaftlicher Erfolg ist eine Folge von persönlichen Eigenschaften jedes Einzelnen!
Mit „persönlichen Eigenschaften“ meinen wir nicht die normierten, durch Zeugnisse belegten Fähigkeiten sondern den unbegrenzten Reichtum an einzelnen Details, mit denen sich der Mensch von jedem anderen unterscheidet. Einerseits sind dies biologische Anlagen und andererseits die Lebenserfahrungen im privaten und im beruflichen Umfeld. Jeder Mensch besitzt andere persönliche Stärken und Schwächen.

Wir befassen uns mit den Stärken und konzentrieren uns nur auf diese. Nur daraus entwickeln sich eigene Kräfte, die es zu bündeln gilt. Mit den Schwächen darf man sich nicht befassen, will man erfolgreich sein. Immer wenn man sich mit den Schwächen befasst demotiviert man und jeder Versuch, Schwächen durch Training zu beheben, landet im Mittelmaß und ist zudem Kräfte zehrend.

Befassen auch Sie sich nur mit Ihren Stärken. Entwickeln Sie diese weiter, damit Sie in Ihrem Feld unschlagbar gut werden. Sie behaupten sich dann in Ihrem Umfeld und beginnen eine Alleinstellung zu entwickeln. Mit geringem Trainings oder Schulungseinsatz kann eine vorhandene Begabung schneller entwickelt werden. Hier sind vorhandene Ressourcen (Zeit und Geld) richtig investiert.


Die persönlichen Stärken selbst erkennen
Der erste und auch schwierige Schritt ist es, eigene Stärken selbst zu erkennen. Das ist nicht einfach; denn leicht verwechselt man Wunschvorstellungen und Spaß machende Tätigkeiten mit vorhandenen Stärken. Das müssen Sie vermeiden. Nur wenn man sich der eigenen Stärken bewusst ist, kann man sie optimal einsetzen und weiter entwickeln.

Fertigen Sie eine Liste an und erfassen Sie private und berufliche Tätigkeiten, mit denen Sie beteiligten Mitmenschen Freude bereitet haben. Gehen Sie dabei ins Detail einzelner Aktionen. Der Erfolg findet sich im Lebenslauf eines Menschen häufig zersplittert im Umfeld vieler nicht erfolgreicher Aktionen. Sprechen Sie vertrauensvoll mit Freunden und Menschen Ihrer Umgebung. Auch Kollegen und Kunden machen sich ein Bild über Sie. Nehmen Sie Hilfe von Beratern in Anspruch. Es ist wichtig, die Liste im Laufe der Zeit zu verfeinern und ständig neu zu durchdenken.

Wenn Sie diese Arbeit sich selbst gegenüber ehrlich erledigt haben, wissen Sie, wo Sie über besondere Stärken verfügen. Wir wünschen Ihnen, dass Sie dabei keinen Zweifel bekommen haben, dass der Fahrlehrerberuf die richtige Berufsentscheidung war. Sonst wäre zu raten, neu anzufangen und alles zu durchdenken.


Zersplitterung beenden, Kräfte bündeln
Bauen Sie jetzt die Stärken aus und verschwenden Sie nicht Ihre Ressourcen in einem Kampf gegen Schwächen. Setzen Sie vorhandenen Ressourcen richtig ein. Beenden Sie die Zersplitterung und bündeln Sie Ihre Kräfte!
Wir wissen, dass jeder Mensch ein unterschiedliches Stärkenprofil hat. Daher gibt es keine goldenen Regeln für erfolgreiches Handeln. Was der Einzelne zum Gelingen seines Erfolges unternehmen muss, sollte individuell entstehen. Es bleibt die Eigenheit der Person.

Fahrlehrer mit wirtschaftlichem Erfolg haben unterschiedliche Profile. Es gibt die Studentenfahrschule, die erfolgreiche Ferienfahrschule, die Spezialisierung auf Zweiradausbildung, den „Platzhirsch“ in der Kleinstadt oder den Verbandsvorsitzenden und Berater für seine Berufskollegen und viele weitere Beispiele erfolgreicher Karrieren. Jeder dieser Fahrlehrer hat seine Kräfte zusammen genommen und sie auf Erfolg ausgerichtet.
Konzentration auf den wirkungsvollsten Punkt.

Mit der besprochenen Bündelung der Kräfte wissen wir, wo die Leistungskraft des Fahrlehrers und/oder der Fahrschule liegt. Jetzt müssen diese Kräfte zum Einsatz gebracht werden. Wir wollen dies an zwei Beispielen durchspielen. Es sind keine existierenden Fahrschulen. Parallelen mit dem praktischen Leben wären rein zufällig.


Beispiel A: Eine bisher unwirtschaftliche Fahrschule

Der Inhaber dieser Fahrschule ist unzufrieden. Einerseits hat er Spaß an der Ausbildung seiner Kunden. Andererseits klagt er über die Preise und meist ist er arbeitsmäßig überlastet. Seine Kollegen beklagen, dass er „Preise verdirbt“. Bei seinen Kunden ist er beliebt.
Seine „Fahrschule aller Klassen“ hat ihren Standort in einer Wohngegend. Das Hauptgeschäft liegt in KlasseB-Ausbildung. Im Umfeld von 1000 m haben sich zwei weitere Fahrschulen niedergelassen, die ebenfalls sämtliche Klassen ausbilden. Die praktische Ausbildung in LKW- und BUS-Klassen führt unser Fahrschulinhaber persönlich durch, ebenso den theoretischen Unterricht aller Klassen. Hiermit will er den persönlichen Kontakt zur Kundschaft sichern. Die Fahrschule hat einen sehr guten Zulauf bei KlasseB-Kunden. Dies hat seine Ursache in niedrigen Preisen. Er beschäftigt zwei angestellte Fahrlehrer, die sehr beliebt sind, geschickt mit den Kunden umgehen können und das Rückgrat der Fahrschule bilden.

Die erste Maßnahme ist die Schließung der LKW und Busausbildung. Hier hat sein Stärkenprofil nichts gezeigt. Bewerber für diesen Bereich reicht er an seinen benachbarten Kollegen weiter und gewinnt mit diesem ein verbessertes freundschaftliches Verhältnis. Die Wirtschaftlichkeit steigt und seine Arbeitsbelastung wird geringer.
Die beiden angestellten Fahrlehrer sind eindeutig die größte Stärke der Fahrschule. Dies zu bekräftigen ist die wichtigste strategische Maßnahme. Die Bindung dieser Personen an die Fahrschule muss verstärkt werden und gleichzeitig deren hoher Beliebtheitsgrad weiter ausgebaut werden. Dabei soll vermieden werden, dass diese Kollegen sich selbständig machen und zum Mitbewerber werden.

Zunächst gibt er beiden Fahrlehrern einen Einblick in die wirtschaftliche Situation der Fahrschule und schult diese in betriebswirtschaftlichem Denken. Sie sollen erfahren, welche betriebswirtschaftlichen Schwierigkeiten eine Fahrschule haben kann. Kenntnisse über Finanzierung, Buchhaltung, Kostenrechnung und Marketing gilt es zu vermitteln. Er überlässt gleichzeitig beiden Mitarbeitern einen Teil des theoretischen Unterrichtes, da beide pädagogische Stärken haben.

Die wichtigste strategische Entscheidung ist die Umstellung der Unternehmensführung auf Marketing. Hierzu werden im Abschnitt "Marketing" ausführliche Erläuterungen gegeben. Marketing als Führungsmethode ermöglicht die Preise schrittweise langsam anzuheben. Das wiederum steigert die finanziellen Kräfte und damit die Möglichkeit, die angestellten Fahrlehrer am wirtschaftlichen Erfolg teilnehmen zu lassen.


Beispiel B: Eine bisher schon erfolgreiche Fahrschule
Die Fahrschule ist auf vielen Gebieten erfolgreich und wird an unterschiedlichen Stellen von den Mitmenschen positiv beurteilt. Aber dieser Fahrlehrer will weiteren Erfolg!

Die Fahrschule hat einen guten Zulauf bei KlasseB-Kunden.
Sein besonders Hobby ist der Motorradunterricht. Er führt die A-Ausbildung nicht aus dem PKW heraus aus, sondern fährt selbst Krad und zeigt den Fahrschülern wie es gemacht wird. Er betreibt einen Übungsplatz, was mit Beifall belohnt wird. Ebenfalls organisiert er jährlich eine erfolgreiche Motorrad-Ferienfahrt. Außerdem betätigt er sich ehrenamtlich im Kreisverein des Fahrlehrerverbandes. Seine Kollegen zollen ihm dort Anerkennung. Er pflegt die guten Beziehungen zum Landesverband und trainiert sich selbst in juristischen Fragen.

Die Fahrschule erwirtschaftet ein gutes finanzielles Ergebnis.

Dieser Fahrlehrer hat eine gut gehende Existenz aufgebaut, was wahrscheinlich unbewusst schon durch ein richtiges strategisches Handeln bestimmt war. Auf die LKW-Ausbildung hat er wegen der geringen Anzahl der Bewerber verzichtet. Er strebt danach, seinen Erfolg weiter auszubauen und weiter zu entwickeln.
Auf Grundlage seines Stärkenprofils stellt er Überlegungen zu zwei Möglichkeiten an:
• Ausbau und Vergrößerung der KlasseA-Fahrschule,
• Weiterentwicklung seiner Verbandstätigkeit.
Die KlasseA-Fahrschule könnte er ausbauen. Wegen seines guten Kontaktes zu Kollegen findet bereits schon jetzt ein ständiger Austausch von Kunden statt. Eine Steigerung der KlasseA-Ausbildung wäre durch Intensivierung dieser Kooperation möglich. Die Verbandstätigkeit wäre ebenfalls ausbaubar. Auf Kreisebene ist sie ehrenamtlich. Finanziell interessant wird sie auf der Ebene des Landesverbandes. Der Aufstieg in den Landesverband könnte für ihn eine längerfristige Perspektive eröffnen.

Der Vorsitzende des Landesvorstandes ist auf ihn aufmerksam geworden und bietet ihm den Aufstieg zu seinem Stellvertreter an. Fast zur gleichen Zeit wird ihm der Posten des Geschäftsführers der Studentenfahrschule angeboten. Er entscheidet sich für die Studentenfahrschule und damit gleichzeitig für den Ausbau der KlasseA-Fahrschule. Hier ist er Chef und im Verband wäre es eine Ochsentour bis zu der Position, die ihm den vollen Erfolg gewährleisten würde.

Seine Entscheidung bringt ein größeres Geschäftsvolumen in sein Unternehmen. Das nutzt er dazu, seine Preise den Kunden gegenüber langsam zu steigern, was zur Folge hat, dass Kunden fern bleiben, die nur auf geringe Preise schielen. Die Verminderung der Anmeldezahlen nimmt er strategisch bewusst in Kauf.
Seine Preispolitik schafft ihm eine gestiegene Anerkennung bei Kollegen und damit auch eine weitere Verbesserung seines Ansehens im Verband.

Dieser Fahrlehrer hat seine Kräfte spitz auf einen Punkt konzentriert. Er hat Mut zu Entscheidungen gehabt und damit soziale Widerstände überwunden oder hat diese gar nicht aufkommen lassen.


Von der Kampf- zur Kooperationsstrategie.

Im Frühstadium vieler Entwicklungen steht der Kampf: Der Kampf um die Existenz, um die Vorherrschaft oder um den besseren Anteil bei der Güterverteilung. Im Urwald überwuchern die starken Pflanzen die schwächeren, in der Tierwelt jagt die Katze die Maus und der Hund jagt die Katze. Menschen lernen immer neu, dass kämpferische Konfrontation Kräfte strapaziert und selten erfolgreich ist. Kinder sind häufiger in kämpferischen Auseinandersetzungen mit Gleichaltrigen, Erwachsene seltener, da sie gelernt haben, Ziele anders zu erreichen.
In Europa tobten Kriege, die heute undenkbar sind. Die Völker haben gelernt, dass kämpfen Zerstörung bringt und politische Ziele sich damit nicht verwirklichen lassen.

Das Leben hat eine Umwelt und mit der heißt es sich zu arrangieren. Das geht einfacher durch Kooperation als durch Kampf. Es gibt Pflanzen, die symbiotisch zusammen leben und Tiere, die Gruppen bilden und der Mensch hat die meist harmonische Familie. Nur im Geschäftsleben mangelt es vielfach an Kooperation.

Haben auch Sie bereits begonnen mit Ihrer Fahrschule von der Kampf zur Kooperationsstrategie zu wechseln? Im vorigen Abschnitt in den Beispielen A und B finden Sie die ersten Ansätze dazu.

Kooperation ist leicht zu schaffen, wenn Sie Ihre Kräfte kennen und diese richtig einsetzen. Ihr Mitbewerber hat andere Stärken. Es ist Ihre Stärke, seine Stärken für sich zu nutzen und damit die freundschaftliche Beziehung zu dem Mitbewerber immer weiter zu verbessern.


Zum Abschluss das Wesentliche:
Strategisch richtiges Handeln ist nur möglich, wenn Sie die Grundregeln von Finanzierung, Buchhaltung, Kostenrechnung und Marketing beachten. Diese lernen Sie in den anderen Abschnitte der Betriebswirtschaft kenne..

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