Finanzen sind der Lebensnerv der Fahrschule

Fragt man den Inhaber einer Fahrschule, wie er sein Unternehmen finanziert, dann trifft man häufig Unverständnis. Manche sprechen dann über Finanzierung der Fahrzeuge und andere denken an die Kreditbereitschaft der Bank. Nur Wenigen von Ihnen ist klar, das hiermit der Nerv des Unternehmens angesprochen ist und selten setzt man sich mit diesem Thema systematisch und sachlich auseinander.

Insolvenzen beginnen bei mangelnder Liquidität. Wenn das Geld knapp wird und schließlich überall fehlt, dann ist eine wirtschaftliche Unternehmensführung nicht möglich. Löst die Hausbank eine Lastschrift über 20 Euro nicht ein, dann hilft das Bündel Banknoten in der Brieftasche auch nicht weiter. Eine solche Situation kann entstehen, wenn die Fahrschule über Finanzierung nicht nachgedacht hat und damit jede Voraussetzung für eine gute Ausbildung der Fahrschüler vergibt.

Finanzen und Finanzierung sind Themen, die die Fahrschule vital betreffen. Falsch beantwortete Fragen können den Anfang einer wirtschaftlichen Schieflage bedeuten. Jeder Fahrschul-Inhaber muss persönliche Fähigkeiten entwickeln, richtige Entscheidungen treffen zu können, um die Basis für seinen Betrieb zu schaffen. Fremde Interessen können sonst leicht die Überhand gewinnen und das ist dann meist der Anfang vom Ende.

Man kennt den Teufelskreis, der entstehen kann:
>> Es fehlt das Geld, der Betrieb kann nur mit Schwierigkeiten aufrechterhalten werden.
>> Die Fahrschule senkt die Preise, um mehr Anmeldungen zu erhalten.
>> Neue Anmeldungen bringen Einnahmen aus Grundgebühren. Das ist zunächst positiv!
>> Die Kosten der laufenden Ausbildung vermindern sich nicht, es entstehen Verluste.
>> Finanzielle Schwierigkeiten nehmen zu. Die Lücke an verfügbarem Geld wird größer.
>> Es fehlt das Geld.......und so weiter... wieder von vorne...usw.

Diese Entwicklung will niemand. Was also ist zu tun? Ein Gespräch mit einer Bank reicht als erster Schritt nicht aus. Stattdessen müssen eigene Kenntnisse aufgebaut werden, um betriebswirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen. Der Kontakt zum Berater kann dann als zweiter Schritt folgen. Banken verfolgen eigene Interessen!

Wie sieht die Theorie aus und wie die Praxis? Was muss der Fahrschul-Inhaber aus beiden Gebieten wissen und beherrschen?
• Er muss wissen, welche eigenen Mittel er für welchen Zweck einsetzen sollte und ob sein Startkapital für die Gründung oder den Bestand der Fahrschule ausreicht und
• er muss die Risiken der verschiedenen Finanzierungsformen kennen und wissen, wie er sich vor diesen Risiken schützen kann.


Eigenkapital oder Fremdkapital?

Als Eigenkapital bezeichnen wir finanzielle Mittel, die der Unternehmer selbst besitzt und über die er nach seinem eigenen Willen frei verfügen kann. Demgegenüber steht Fremdkapital. Das sind Gelder, die dem Unternehmer von anderen zur Verfügung gestellt werden und über die der Unternehmer nur begrenzt verfügen kann. Die Verwendung ist an Bedingungen geknüpft und eine Rückzahlung ist erforderlich. Darlehen und Kredite von Banken sind Fremdkapital. Aber auch andere Zuwendungen, die dem Unternehmen zweckgebunden zufließen und von denen erwartet wird, dass sie irgendwann zurückgezahlt werden müssen, gehören dazu. Freunde, Verwandte und private Geldgeber springen vielleicht ein, wenn vorübergehend Hilfe erforderlich ist.Indirekt zählt zur Fremdfinanzierung auch der Abschluss von Miet- und Leasingverträgen, denn hierdurch gewinnt die Fahrschule produktive Gegenstände, die die Wirtschaftlichkeit maßgebend beeinflussen und die nicht mit eigenen Mitteln erworben wurden.


Welches Eigenkapital ist erforderlich und wie viel Fremdkapital ist sinnvoll?

Die Lösung dieser Fragen wollen wir Schritt für Schritt anhand von 3 Modellen entwickeln.

Modell A steht für die Fahrschule, der eigene Mittel unbegrenzt zur Verfügung stehen, Modell B ist eine Fahrschule, die voll auf Fremdfinanzierung angewiesen ist und Modell C schließlich stellt die Mischform dar. In jedem Modell wird davon ausgegangen, dass die Fahrschule gut eingerichtet ist. Der Unterrichtsraum strahlt die beste Atmosphäre aus. Moderne Möbel laden die Kunden ein und fördern das Lernen. Der Fahrzeugpark ist modern und nicht veraltet. Verwaltung und Abrechnungswesen zeigt den Geschäftspartnern kaufmännische Professionalität. Lieferantenrechnungen werden kurzfristig bezahlt, Mitarbeiter erhalten frühzeitig ihre Gehälter und der Fahrschulkunde gewinnt nicht den Eindruck, dass eine schnelle Zahlung für die Existenz des Unternehmens wichtig ist.

Gesamtfinanzierung der Fahrschule mit Eigenkapital.
Modell A: Die Fahrschule bestreitet sämtliche Investitionen aus eigenen Mitteln. Dies ist ein realer wenn auch seltener Typ einer Fahrschule. Es mag ein gutes Gefühl sein, alles selbst zu finanzieren. Aber wirtschaftlich ist es allein deswegen nicht. Eine solche Finanzierung führt leicht zu Unwirtschaftlichkeiten. Sehen wir mal, woher das kommt:
Der Einsatz eigener Mittel im Fahrschulunternehmen bedeutet, dass vorhandene anderweitige Kapitalanlagen aufgelöst werden. Diese Anlagen haben vorher Erträge erwirtschaftet in Form von Zinsen oder erwarteten Wertsteigerungen. Solche Erträge bleiben aus und das ist ein negativer Teil der Rechnung!

Erwirtschaftet die Fahrschule mit dem gleichen Kapital einen höheren Zinssatz als mit der ursprünglichen Anlage, dann ist der Mitteleinsatz in der Fahrschule betriebswirtschaftlich richtig. Ist dies nicht der Fall dann sind falsche betriebswirtschaftliche Entscheidungen getroffen. Der Kapitalverzehr ist vorprogrammiert. Hierzu ein Beispiel: Werden der Fahrschule Unterrichtsräume zu einem Mietzins angeboten, der geringer ist als der sonst verlorene Kapitalzins, dann ist der eigene Bau betriebswirtschaftlich eine Fehlinvestition. Die dazu notwendige Kontrollrechnung muss auf mehrjähriger Betrachtungsweise erstellt werden. Es handelt es sich bei Bauten um langfristige Investitionen. Für die Fahrschule kann sich im Laufe der Zeit die Marktsituation ändern, ein neuer Standort wird erforderlich. Das Mietverhältnis zu kündigen ist einfach.

In ähnlicher Weise muss ist die Zinsvergleichsrechnung für Investitionen in andere Anlagegüter aufgestellt werden. Jeder Bereich hat dabei Besonderheiten. Bei der Fahrzeugfinanzierung z.B. muss vor der Vergleichsrechnung festliegen, welche Rabatte und Sondervergünstigungen bei Barzahlung erreicht werden können. Dadurch könnte die volle Eigenfinanzierung interessant werden, sonst aber nicht!

Außer im Anlagenbereich wird Kapital auch als Umlaufvermögen gebunden. Umlaufvermögen entsteht z.B. dadurch, dass Lehrmaterial auf Lager genommen wird oder laufende Ausgaben schon dann getätigt werden, wenn entsprechende Kundenzahlungen noch nicht vereinnahmt sind. Es ist im Prinzip eine kurzfristige Kapitalbindung. Aber da sie immer wieder auftritt, entsteht ein Dauerkapitalbedarf. Hierfür ist die Eigenkapitalfinanzierung wirtschaftlich sinnvoll. Zinsvergleichsrechnungen sind hier kaum aufstellbar.

Fahrschuleinnahmen stellen das Rückgrat des Unternehmens dar. Sicherheit der Einnahme ist das Wichtigste. Die Kapitalbindung bleibt bei einer 14-täglichen Abrechnung offener Posten gering, ein Verfahren, das kaufmännische Professionalität zeigt. Eigenfinanzierung scheint hierfür sinnvoll zu sein.


Gesamtfinanzierung der Fahrschule mit Fremdkapital.
Modell B: Die Fahrschule verfügt über keine eigenen Mittel. Investitionen in Anlagevermögen und die Kapitalbindung in Umlaufvermögen werden ausschließlich mit fremden Mittel bestritten. Obwohl diese Finanzierung in deutschen Fahrschulen häufig vorkommt, ist sie kritisch zu betrachten. Unwirtschaftlichkeiten sind unvermeidlich. Abhängigkeiten von Kapitalgebern entstehen und dies schränkt die Handlungsfähigkeit ein. Das wirkt sich auf die Arbeit und die Wirkung im Fahrschulmarkt aus. Sehen wir das im Einzelnen:
Fahrzeuge sind fremdfinanziert. Dies geschieht entweder durch Leasing oder mit Hilfe einer Bankfinanzierung, das sind Finanzierungen, die direkt von den Autoverkäufern mit angeboten werden. Diese Kfz-Fremdfinanzierung verbaut die meist günstige Möglichkeit, über Barzahlungsrabatte hart zu verhandeln.

Die Büroausstattung ist fremdfinanziert. Dies kann zu fatalen Unwirtschaftlichkeiten führen. Die Computerausstattung z.B., für die ein Leasingvertrag mit einer Laufzeit von drei oder vier Jahren abgeschlossen wurde, verliert erfahrungsgemäß bereits nach einem Jahr 50% ihres Wertes. Schon nach dem 2. Jahr entspricht die monatliche Leasinggebühr dem dann noch erzielbaren Restwert. Veraltete Anlagen mit geringer Leistung sind die Folge. Die Ausstattung des Unterrichtsraums ist fremdfinanziert. Lieferanten vermitteln Kredite, um ihren Umsatz zu steigern. Diesen Kredit zu tilgen und zu verzinsen führt zu einer hohen laufenden Belastung, die die Fahrschule nur im Ausnahmefall aus dem laufenden Gewinn erwirtschaften kann. Im Übrigen kann auch hier damit gerechnet werden, dass bei Barzahlung erhebliche Rabatte und Sonderkonditionen verhandelt werden können.
Und wie steht es mit dem Umlaufvermögen? Wie ist es, wenn die Fahrschule Lieferantenrechnungen, Steuern und Mitarbeiter später bezahlt und bei Kunden Vorauszahlungenverlangt? Das sind einfache Methoden, Zahlungen zu verzögern und den Kapitaleinsatz zu vermindern. Aber sind sie betriebswirtschaftlich sinnvoll?

Lieferantenrechnungen spät zu bezahlen ist kostspielig. Für Sofortzahlung wird ein Skonto von 2% gewährt und das ist eine lukrative Verzinsung von ca. 20% p.a. Das Gleiche gilt für Steuerschulden, für die hohe Säumniszuschläge unvermeidlich sind.

Mitarbeitergehälter zurück zu halten belasten das Betriebsklima. Es ist darüber hinaus gefährlich. Die Erfahrung hat gezeigt, dass schlecht behandelte angestellte Fahrlehrer motiviert werden können, die eigene Fahrschule zu gründen, die dann als Konkurrenz auftritt. Bei Kundenforderungen ist die Sicherheit der Geldeingänge das Wichtigste. Das wird durch Vorauszahlungen erreicht (z.B. in Form von Fahrschecks) oder durch direktes Kassieren nach der Übungsfahrt. Beides hat negative Auswirkungen auf das eigene Marketing.

Und wie rechnet sich die Zusammenarbeit mit einer Abrechnungsstelle? Die Fahrschule tritt Forderungen an ein Dienstleistungsunternehmen ab und erhält regelmäßige Zahlungen unabhängig davon, ob der Fahrschüler bereits gezahlt hat oder nicht. Wie hoch aber sind die Kosten hierfür? Die Kundenforderungen werden mit einer Art Skonto reduziert. Ähnlich wie bei Lieferantenrechnungen können extrem hohe Zinsen die Folge sein.


Die gemischte Finanzierung der Fahrschule.
Modell C: Die Fahrschule ist mit Eigenkapital ausgestattet soweit dies betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Fremdkapital wird eingesetzt, wenn ein Zinsvergleich zeigt, dass es günstiger ist als Eigenkapital. Welcher Teil mit Eigenkapital und welcher mit Fremdkapital finanziert werden sollte, ergibt sich aus den oben beschriebenen Modellen A und B.

Abhängigkeiten von Kreditgebern entstehen bei dieser Finanzierung nicht. Der Fahrschul-Inhaber hat die optimale Finanzierung gewählt und sichert damit den langfristig sicheren Betrieb. Es gelten folgende Prinzipien:
• Fahrschulbüro und Unterrichtsräume nur dann in eigenem Gebäude einrichten, wenn die Marktlage für die Fahrschule langfristig positiv beurteilt werden kann.
• Beim Fahrzeugeinkauf hart über Barzahlungsrabatte verhandeln und nur dann eine Kreditfinanzierung eingehen, wenn sich dies auf Basis einer Zinsvergleichsrechnung lohnt.
• Die Ausstattung von Büro und Unterrichtsraum mit Eigenkapital finanzieren. Das schafft die Möglichkeit Rücklagen für immer wieder notwendige Erneuerungen zu schaffen.
• Lieferantenrechnungen mit Skonto bezahlen. Das spart Geld!
• Mitarbeitergehälter frühzeitig zahlen. Das hebt das Betriebsklima!
• Steuern pünktlich bezahlen. Das spart teure Säumniszuschläge!
• Kundenforderungen 14-täglich per Bankeinzug abrechnen. Das zeigt Professionalität.

Bei falscher Finanzierung können diese Prinzipien nicht eingehalten werden. Die Wettbewerbslage im deutschen Fahrschulmarkt bietet kaum Reserven im Ertragsbereich. Bei zu geringem Eigenkapital sollte auf die Gründung einer Fahrschule verzichtet werden. Bestehende Betriebe müssen über Ihre Existenz nachdenken.

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